Habanera
Die Habanera ist ein Tanz aus Havanna (Kuba) im mäßigen bis langsamen Tempo im 2/4-Takt. Er ging hervor aus einer Synthese des europäischen Kontertanzes („la contradanza“) und afrikanischer Musik. Die Habanera wurde zuerst von der Oberschicht in Río de la Plata übernommen, als der Tanz in Paris populär wurde.
Typisch für die Habanera ist sein Rhythmus, auf dem auch die ersten Tangos basierten:

Das Wort Tango taucht bereits 1823 in Havanna auf als Bezeichnung für die Habanera. Der Ausdruck kommt von den Gaststätten, Tambos genannt, in denen Afro-Lateinamerikaner tanzend feierten, und geht zurück auf eine Niger-Kongo-Sprache. Zum Beispiel bedeutet „tamgu“ auf Ibibio zu tanzen. Die Feste wurden ebenfalls als Tambos, später als Tangos, bezeichnet und schließlich wurde die Musik danach benannt.
Tango Andaluz
Der Tango Andaluz ist die spanische Variante der Habanera, die sich zu einer Spielart des Flamencos entwickelte. Der Tango Andaluz kam als Lied über das Theater in Form von Couplets nach Buenos Aires. 1866 wurde das Lied „La Coqueta“, komponiert vom Andalusischen Pianisten Heloise de Silva, in Argentinien populär. Der Tango Argentino hat wohl seinen Namen vom Tango Andaluz. Letzterer hat jedoch eine einfachere Melodie und eine feste Liedform aus zwei 8-taktigen Abschnitten.
Candombe
Der Candombe ist ein szenischer Trommel-Tanz, der auf religiöse Praktiken der Sklaven zurückgeht. Er entstand in den Vierteln der Afro-Lateinamerikaner in Río de la Plata. Die Menschen dort versammelten sich an Sonn- und Feiertag um gemeinsam zu trommeln und zu tanzen. Seit den 1890 wird er kaum noch getanzt, bleibt aber als Musikform erhalten („Ilamadas“). Der Candombe wird auf Trommeln in unterschiedlicher Größe gespielt („chicho“, „repique“ und „piano“). Jede Trommelart spielt einen anderen Rhythmus, meist synkopisch, aber stets im 2/4-Takt. Die Rhythmen überlagern sich zu einer polyrhythmischen Struktur.
In Montevideo wird der Candombe heute noch getrommelt. Zum Karneval wird einmal im Jahr trommelnd durch das Stadtviertel marschiert.
Obwohl der Candombe kein Paartanz ist, hat er dem Tango zwei wichtige Figuren vererbt: den Corte (plätlicher Halt) und die Quebrada (Biegung des Oberkörpers).
Auch die synkopischen Rhythmen der Candombe hatten Einfluss auf den Tango.
Payada
Als Payada wird der ländliche Bänkelsang der Gauchos bezeichnet, die sich selbst auf der Gitarre begleiten. Die Payada entstand aus spanischer Volkmusik unter Einfluss von indigener Musik und Kirchenmusik. Typisch für die Payada ist der binäre Rhythmus: die Gitarre begleitet die Gesänge in einem tirolischen Gegenrhythmus.
Es wurden Gesangswettbewerbe veranstaltet, bei dem zwei Payadores abwechselnd improvisierte Verse sangen („payada de contrapunto“). Dabei stellten sich die Payadores gegenseitig Fragen, die der Kontrahent nach einem Zwischenspiel auf der Gitarre singend beantworten musste. Wer nicht spontan antworten konnte, hatte das Duell verloren.
Milonga Pampeana
Die Milonga Pampeana (auch: Milonga campera) ist ein Lied im 2/4-Takt und stammt wahrscheinlich von der Guajira [ɡwaˈxi.ɾa] ab, genauer gesagt von ihrer Flamenco-Form. Die Guajira kam ungefähr zwischen 1822 und 1830 von Spanien nach Buenos Aires, wo der Rhythmus vereinfacht wurde. Die traditionelle Guajira hat einen alterierenden Takt von 6/8+3/4.

Diese Phrase von zwei Takten wurde in einen nicht-alterierenden Takt überführt. Mehreren Quellen zufolge wurde die Guajira hauptsächlich von Afro-Argentiniern gesungen.
Gabino Ezeiza, ein Nachfahre afrikanischer Sklaven, galt als der beste Payador. Es heißt, er habe den Milonga-Rhythmus in die Payada eingeführt und damit zur Verbreitung der Milonga beigetragen.
Die Milonga der Payadores wurde in typisch gauchohafter Weise birhythmisch vorgetragen – also mit einer triolischen Begleitung auf der Gitarre.

Neben der älteren Milonga zum Singen („milonga para cantar“) gab es auch eine tanzbare Milonga („milonga para bailar“). Diese neuere Form der Milonga war vom frühen Tango beeinflusst und bediente sich des Habanera-Rhythmus.
Die Bezeichnung Milonga stammt von einer Niger-Kongo-Sprache ab. Auf Kimbundu heißt „mulonga“ Wort und „milonga“ Wörter. Milonga soll ursprünglich die Bezeichnung der Afrikaner in Südamerika für die Payada de Contrapunto gewesen sein. Die Bezeichnung wurde auf den Ort der musikalischen Darbietung übertragen, dann auf die Musikrichtung der Milonga.
Auch heute wird der Begriff Milonga mehrdeutig verwendet: Einerseits ist Milonga eine Lied- und Tanzform, andererseits wird eine Tanzveranstaltung, auf der Tango, Milonga und Vals getanzt wird, auch als eine Milonga bezeichnet.
Polka, Mazurka und Walzer
Polka, Mazurka und Walzer brachten europäische Immigranten, darunter viele Italiener, in die Region von Río de la Plata. Die Umarmung der Tanzpaare im Tango ist von Walzer und Mazurka übernommen worden. Musikalisch soll vor allem die Schnelligkeit der Polka die frühen Tangos geprägt haben. Außerdem inspirierte die melodische und harmonische Gestaltung der europäischen Tänze die Tango-Komponisten.
