Tango I – Ursprünge des Tangos

Der Tango Argentino [ˈtaŋɡo aɾ.xen̪ˈti.no] entstand um 1865-1870 in der Region um Río de la Plata (Argentinien und Uruguay). 

Anfang des 19. Jahrhunderts waren Argentinien und Uruguay Kolonien Spaniens. An den Häfen von Buenos Aires und Montevideo wurde Sklavenhandel mit Menschen aus Afrika betrieben. Die Region war noch dünnbesiedelt. Die Kreolen („los criollos“), die Nachkommen der spanischen Kolonialisten, bildeten die Mehrheit im ländlichen Raum, die Ureinwohner eine Minderheit. 

1816 erlange Argentinien seine Unabhängigkeit, Uruguay 1825, und die Sklaverei wurde schrittweise abgeschafft. Die befreiten Afrikaner*innen in Río de la Plata besiedelten Armenvierteln in den Vorstädten („los arrabales“). 

Die Politik Argentiniens förderte die Einwanderung. Es sollten gebildete Leute aus Europa kommen, um den Staat zu modernisieren. Gekommen sind jedoch Menschen aus den armen Regionen Südeuropas. Der überwiegende Teil der Immigranten kam aus Spanien und Italien. Weil sie am Land kaum Fußfassen konnten, mussten sich die enttäuschten Einwanderer in den Armenvierteln von Buenos Aires niederlassen. 

Es herrschte Frauenmangel, denn viele kamen ohne Frau und Kinder ins Land. Die männlichen Hafenstädter („los porteños“) aus der Unterschicht trafen sich in den Kneipen um zu tanzen – oft auch zwei Männer miteinander. Auch die Bordelle waren gut besucht. Es hat sich eingebürgert, dass die langen Wartezeiten durch Musik und Tanz versüßt wurden. 

Unter den Gästen der hafenstädtischen Kneipen und Bordellen waren sowohl Männer aus europäischer als auch aus afrikanischer Herkunft. Doch damit nicht genug: Es setzte auch noch eine Landflucht ein, das heißt die Gauchos und Chinas – quasi die Cowboys und Cowgirls der Pampa – zog es ebenfalls in die Stadt. 

In diesem Schmelztiegel der Kulturen, den Kneippen und Bordellen in den Armenvierteln der Hafenstädte, entstand der Tango Argentino. Die Texte gesungener Tangos sind geprägt von den Einwanderern. Oft geht es um Trauer und unerfüllte Liebe. Es bildeten sich zwei stereotype Figuren heraus: der Compadrito als Gauner und charmanter Liebhaber sowie die Milonguita, die Tango-Tänzerin, die sich prostituieren lässt. Die Liedtexte wurden im Lunfardo verfasst, den rioplatanesischen Slang, der in Buenos Aires entstanden ist. Es ist eine spanische Varietät voller italienischer und afrikanischer Vokabeln und eigenen Wortschöpfungen. 

Der Tango Argentino als Tanz besteht nicht aus festgelegten Schrittfolgen, sondern aus Elementen, die spontan miteinander kombiniert werden. Unter den Techniken sind einfaches Gehen (Caminar), Stoppen, Drehungen (Giros), Kreuzen der Beine usw. Die Führungsimpulse gehen vom Mann aus. Die Paare sind beim Tanzen eng durch eine Umarmung verbunden.

Der Tango wurde nächst von Oberschicht und Kirche bekämpft. Sie beschimpften ihn als „Bordellmusik“. 

Wie ist der Tango nun entstanden? 

Der Tango wurde nicht erfunden, sondern er ging aus einer Verschmelzung von vielen anderen Tänzen und Liedern hervor. Dazu gehören: 

die Habanera, ein lateinamerikanischer Tanz aus Kuba, 
der Tango Andaluz aus Spanien, 
der Candombe der Afro-Lateinamerikaner in Montevideo und Buenos Aires, 
die Payada der Gauchos,
die Milonga, wahrscheinlich afro-lateinamerikanischen Ursprungs, 
die Polka, die Mazurka sowie der Walzer aus Europa. 

Im nächsten Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf diese Tänze. 

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