Musette III – Tänze im Musette-Stil

Die Formen der Musette sind: Valse Musette [vals my.zɛt], Tango Musette, Paso Musette und Java [ʒa.va]. 

Die Valse Musette [vals my.zɛt] ist ein Walzer, der meist sehr schnell gespielt wird (ca. 190 bpm – zum Vergleich: Wiener Walzer: ca. 175 bpm). 

So wie alle Tänze im Musette-Stil wird sie einfacher, sinnlicher und platzsparender als der klassische Walzer getanzt. Die Paare machen sehr kleine Schritte, im Gegensatz zu den typischen langen Schritten des Wiener Walzer. Diese Tanzweise rührt daher, dass die Bälle in Hinterzimmern der Gastronomie stattfanden, wo wenig Platz vorhanden war. 

Eine besondere Tanzfigur ist die Toupie [tu.pi], bei der sich das Tanzpaar dreht, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Auf YouTube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=ROWLMy7xIM4 (externer Link)

Der Tango war im Paris sehr erfolgreich. Aus ihn entstand um 1925 die Tango Musette, die die sanfter und weniger abgehakt als der traditionelle Tango gespielt wird. Die Violinen haben eine wichtigere Funktion und statt des Bandoneons wird das Akkordeon verwendet. Die Tango Musette hat nur wenige Tanzfiguren und wird sehr straff getanzt. 

Die Paso Musette ist die Musette-Form vom Paso Doble. Sie ist im Vergleich zum Paso Doble ein einfacherer, genüsslicher und weniger platzraubender Tanz. 

In den 1910er Jahren taucht in Paris die Java [ʒa.va] auf. Es ist ein Tanz im ¾-Takt mit starker Betonung am ersten Schlag und moderatem Tempo (ca. 165 bpm) – ein idealer Tanz zum Hopsen. 

Die Herkunft des Namens „Java“ ist nicht bekannt. Es gibt über die Entstehung des Javas eine Legende, überliefert vom Akkordeonisten und Komponisten Louis Péguri. Aus Mangel einer besseren Entstehungsgeschichte, gebe ich diese Legende wieder: 

Im Le Rat Mort [lə ʁa mɔʁ], einem Café-Restaurant am Place Pigalle [plas pi.ɡal] in Paris fanden Tanzabende statt. Das Ballorchester spielte eine italienische Mazurka [maˈzʊʁka] namens „Rosina“. Der Wirt vom Le Rat Mort merkte, diese Mazurka den Tänzerinnen und Tänzern sehr gefiehl. Immer wenn die Stimmung nachließ, bat er das Orchester, Rosina zu wiederholen und rief in die Menge: „Ça va?“, zu Deutsch: „Geht es euch gut?“ Der Wirt soll einen auvergnatischen Akzent gehabt haben und sprach es aus wie „Cha va?“ Und soll ein neuer Tanz namens Java entstanden sein. 

Fest steht jedenfalls, dass die Java in Paris aus der italienischen Mazurka entstanden ist, sie ist aber schwungvoller als die Mazurka. Manche glauben auch, dass die Tanzschritte vom Scottish beeinflusst wurden. Wie bei der Mazurka kommen bei der Java typischerweise Triolen oder punktierten Noten vor und der Schlusstakt besteht aus zwei Viertelschlägen plus einer Pause auf den dritten Schlag. 

Die Java war sehr populär, weil sie einfach ist und wenig Platz in überfüllten Tanzsälen beansprucht. Die Java erfreute sich auch am Land großer Beliebtheit, ehe er in den 1950er Jahren von der Tanzfläche verwand. Sie wird in kleinen Schritten sehr eng getanzt, quasi gewatschelt, und es wird nur wenig gedreht. Es war üblich, dass der Tänzer die Hände auf das Gesäß der Tänzerin legt, während diese ihre Hände um den Hals des Partners legt. Diese Haltung empfanden manche als unanständig, weswegen die Java in bestimmten Kreisen manchmal verboten wurde. Auf YouTube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=JHinffqefek (externer Link)


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