Bereits 1831 kam das erste diatonische Akkordeon, das 1829 von Cyrill Demian in Wien erfunden wurde, nach Paris. Fourneau [fuʁ.no] und Busson [by.sɔ̃] waren die ersten in Frankreich, die Demians Instrumente nachbauten. Es entwickelte sich daraus das französische Akkordeon, ein chromatisches, wechseltöniges Instrument mit ein oder zwei Reihen. Oft findet man die Bezeichnung „Flutina (externer Link zu YouTube)“ [fly.ti.na]. Die Tastenanordnung entspricht ungefähr dem Wiener Modell, aber die zweite Reihe ist um einen Halbton erhöht, sodass alle Halbtöne vorhanden sind. Der Bass des französischen Akkordeons war wenig ausgeprägt und hatte meist nur zwei Köpfe mit Grundtönen. Bei frühen Akkordeons gab es gar nur eine Art Bordun, der durch einen Kippschalter mit dem Daumen aktiviert wurde: Auf Zug erklangen die Töne C und g, auf Druck die Dominante auf G und d, jeweils ohne die Terzen.
1859 wurde von Busson bereits ein Piano-Akkordeon eingeführt, das er „Orgelakkordeon“ nannte.
Paris war somit ein frühes Akkordeonzentrum, die Herstellung kam jedoch im Zuge des Deutsch-Französischen Krieges von 1860-1871 weitgehend zum Erliegen.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das gleichtönige Instrument mit Stradella-Bass aus Italien eingeführt. Die Herstellung, Wartung und Vertrieb der Akkordeons in Frankreich blieben von nun an fast ausschließlich in der Hand der italienischen Immigranten. Zum Beispiel startete die Firma Cavagnolo mit italienischen Wurzeln ihre Produktion 1904 in Lyon und baut Akkordeons noch bis heute.
Typisch französisch ist ein C-Griff-Knopfakkordeon mit Knöpfen einheitlicher Farbe. Es gibt eine spezielle Version vom Standardbass, die in Frankreich häufig anzutreffen ist: Das 3+3-System, bei dem der verminderte Bass fehlt. Dafür gibt es über den Terzbass eine zusätzliche, dritte Grundbassreihe mit der Moll-Terz (also z.B.: Es-E-C-c-cm-c7). Die Septimbässe setzen sich bei dieser Ausführung aus Terz, Quint und Septime zusammen, sodass sie auch in der Funktion eines verminderten Akkordes eingesetzt werden können (z.B. f7 statt cverm).
In den 1930er Jahren wurde das Pianoakkordeon populär.
Typisch für das Musette-Akkordeon ist das Tremolo. Dieser Schwebungseffekt wurde in Frankreich 1854 von Leterne in Paris eingeführt und patentiert. Zuvor gab es ausschließlich eine Stimmung in Oktaven, auch Orgelstimmung genannt. Das Prinzip des Tremolos war jedoch schon von der Orgel bzw. dem Harmonium her bekannt.
Das französische Tremolo sollte den schrillen Klang der Carbrette nachahmen und so den Lärm in den Ballsälen besser durchdringen können. Das französische Tremolo ist besonders stark. Die beiden Stimmzungen sind um zirka 20 Cent abweichend gestimmt. Bei dreichörigen Instrumenten klingt die dritte Stimme eine Oktave höher.
Heutzutage gibt es auch Instrumente mit einem 3-fachen-Tremolo („Musette-Stimmung“). Dabei werden drei Stimmzungen in gleicher Oktavlage voneinander abweichend gestimmt, das heißt eine Stimmzunge höher, eine tiefer und eine ohne Verstimmung. Durch Register lässt sich die dritte Stimmzunge stumm stellen, sodass auch ein flaches Tremolo realisiert werden kann.
| 0 Hz | Klassische Musik, Tango |
| 0,5 Hz | Jazz, Balkanmusik |
| 1 Hz | Swing, Gypsy, Klezmer, brasilianisch |
| 1,5 Hz | wienerisch |
| 2 Hz | irisches Tremolo |
| 2,5 Hz | Cajun, amerikanisches Tremolo |
| 3 Hz | alpenländisch, slowenisch |
| 4 Hz | deutsches Tremolo, Standardtremolo |
| 5 Hz | italienisches Tremolo |
| 6 Hz | französisches Tremolo |
| 7 Hz | schottisches Tremolo |
