Latin Jazz ist eine Mischung aus modernem Jazz mit karibischer und brasilianischer Musik, wobei die kubanische Musiktradition den größten Einfluss hat.
Zu den wichtigsten Stilrichtungen gehören die kubanischen Tänze wie Mambo und Cha-Cha-Cha, die Salsa sowie die brasilianischen Tänze Samba und Bossa Nova.

Kubanische Musik und Salsa
Instrumentierung
Die Afrokubanische Rumba ist ein Wechselgesang zwischen einem Solisten und einem zweistimmigen Chor, begleitet von Schlaginstrumenten wie Tumbadoras, Palitos, Quinto und Claves. Während die Quinto improvisiert, spielen die anderen Trommeln ein zweiteiliges Grundpattern mit Variationen. Die Claves geben den festen Grundrhythmus.
Beim Son und Bolero findet sich ebenfalls der Wechselgesang zwischen Solisten und Chor. Neben Schlaginstrumenten (Bongo, Maracas, Claves, Guiro) treten Zupfinstrumente (Gitarre, Tres, Kontrabass) hinzu. Häufig übernimmt der Solist die Claves, während der Chor mit den übrigen Instrumenten begleitet.
Die Guajira besteht aus zweistimmigen Liedern mit Gitarrenbegleitung.
Habanera und Danzón [danˈson] werden von klassischen Instrumenten (Klavier, Geige, Flöte, Kontrabass) sowie Percussion (Timbales, Guiro, Claves) begleitet. Der Bass spielt oft im Rhythmus des Tresillo oder der Habanera. Die Timbales übernehmen typischerweise den Cinquillo [siŋˈkiʎo].

Für Salsa, Mambo, Cha-Cha-Cha und Latin Jazz entwickelte Arsenio Rodríguez die Conjunto-Besetzung: Timbales, Bongos, Tumbadoras (Conga-Tumba-Paar), Clave, Tres, Klavier, Bass und zwei Trompeten. Später erweiterte Ray Barretto dieses Ensemble um ein Posaunenpaar. Ergänzend können weitere Percussioninstrumente (Guiro, Maracas) eingesetzt werden. Werden statt Trompeten Violinen und Flöten verwendet, spricht man von der Pachanga-Besetzung (nach Pacheco).

Rhythmus-Pattern
Clave
Die Claves spielen einen zweiteiligen Grundrhythmus, der unverändert bleibt. Auf diesem Rhythmus bauen die übrigen Percussion- und Begleitinstrumente auf.
Es wird unterschieden zwischen Son-Clave und Rumba-Clave, beide in 2:3– oder 3:2-Richtung. Dabei enthält der erste Takt zwei und der zweite drei Schläge – oder umgekehrt.

Tumbao
Der Tumbao ist eine Übertragung der Tumbadora-Rhythmen auf das Bassinstrument. Charakteristisch ist, dass der Nachschlag eine Quinte neben dem Grundschlag liegt.

Montuno
Der Montuno ist eine pianistische Adaption der Gitarren-Arpeggien aus dem Son und typisch für den Mambo. Zur 2:3 und 3:2 Clave existiert eine passende Montuno-Grundfigur. Auf dem Klavier wird er beidhändig gespielt, oft mit Oktavverdopplungen und Terzen, um den Klang zu verstärken. Gespielt wird stets legato.

Akkord-Begleitung
Alternativ kann das Klavier auch mit Akkorden begleiten. Besonders im Cha-Cha-Cha gibt es typische rhythmische Akkordmuster.

Brasilianische Musik
Die Bateria der Samba
Die brasilianische Samba hat ihren Ursprung in afrikanischer Percussion und Tanz. Die Bateria (Samba-Perkussionsensemble) besteht aus Rassel- und Schrapinstrumenten, die den Grundpuls markieren. Eine Periode umfasst 16 schnelle Pulse.
- Der Beat (Marcação [maʁ.kaˈsɐ̃w̃]) wird von zwei großen Surdo-Trommeln abwechselnd auf Beat und Offbeat gespielt. Eine dritte Surdo umspielt diesen Rhythmus.
- Das Time-line-Pattern (linha rítmica [ˈlĩ.j̃ɐ ˈhit͡ʃ.mi.kɐ]) ist das rhythmische Erkennungszeichen der Samba, gespielt auf dem Tamborim oder der Agogo. Anders als die Clave wird es oft variiert.
- Weitere Klangfarben liefern Trommeln wie Repinique [hepɪ.nˈiːke] oder Cuíca.
Ein besonderes Merkmal ist der „schwebende Groove“: Die Pulse werden nicht regelmäßig gespielt, sondern leicht „eiernd“. Das heißt, der dritte und vierte Schlag einer Vierergruppe sind etwas vorgezogen:
. Der vierte Puls kommt dabei etwa auf 2/3 der Zählzeit, so wie beispielsweise im Swing der Offbeat.

Formen der Samba
- Samba de Roda: Ursprüngliche Form, traditioneller Tanz mit Gesang und Percussion.
- Samba-Canção: Die Canção [kɐ̃ˈsɐ̃ʊ̯̃] entstand in den 1920er-Jahren in Rio; der Gesang steht im Vordergrund.
- Samba-Enredo: Typisch für die Sambaschulen in Rio; groß inszenierte Tänze mit riesigen Trommelbatterien beim Karneval.
- Samba-Pagode: Entstand in den 1980ern; wird in Bars gespielt. Jedes Percussioninstrument ist einfach besetzt, dazu kommen Cavaquinho [ka.vaˈkĩ.j̃u] oder Cavaco-Banjo. Oft singen alle Instrumentalisten einstimmig mit.
Bossa Nova
Die Bossa Nova entwickelte sich Ende der 1950er im intellektuellen Milieu Brasiliens und ist ruhiger als die Samba. Als erstes Werk gilt „Chega de Saudade“ von João Gilberto (Gesang und Gitarre).
Die Gitarre spielt rhythmische Akkorde – eine abstrahierte Form der linha rítmica – während der Daumen Bassnoten (meist Grundton und Quinte) ergänzt.

In der Jazz-Bossa-Nova treten größere Besetzungen hinzu: Gesang oder Melodieinstrument (Saxophon, Flöte), Gitarre, Kontrabass, dezentes Schlagzeug, eventuell Klavier sowie diverse Percussion (Shaker, Pandeiro).
Die brasilianische Clave
Obwohl die Claves in brasilianischen Ensembles nicht tatsächlich gespielt werden, wird das Konzept übernommen. Die „brasilianische Clave“ dient der Einordnung und Analyse der rhythmischen Begleitmuster.

Die Bossa Nova-Begleitung
Es gibt zwei grundlegende Begleit-Modelle, die auf der brasilianischen Clave basieren. Von diesen Modellen gibt es verschiedenste Varianten. Die linke Hand imitiert die Surdos.

Latin Jazz am Akkordeon begleiten
Die Begleitfiguren am Akkordeon orientieren sich an den typischen Rhythmen des Latin Jazz – Clave, Tumbao, Montuno und den Akkordmustern. Hier sind Begleitvorschläge für das Akkordeon:
Montuno und Tumbao
Montuno in der rechten Hand:

Eine Variation der Montuno-Begleitung:

Montuno in der rechten Hand und Tumbao in der linken:

Tumbao vereinfacht:

Montuno mit Arpeggio:

Montuno mit Standardbass:

Einfachere Bassbegleitung:

Bassbegleitung mit Nachschlag auf 4-UND (Conga-Schläge):

Begleitung im Rhythmus von Guiro und Clave
Bassbegleitung für einen Mambo (schnell):

Bassbegleitung für eine Rumba:

Bassbegleitung für einen Bolero (langsam) oder einer Beguine (lebhaft):

Cha-Cha-Cha – Begleitung mit Akkorden
Akkorde in der rechten Hand und typischer Cha -Cha-Cha-Bass in der linken Hand:

Cha-Cha-Cha-Begleitung mit dem Standardbass:

Akkordbegleitung mit Nachschlägen in der linken Hand:

Nachschläge mit dem Standardbass:

Einfachere Cha-Cha-Cha-Begleitung für die linke Hand:

Bossa Nova & Samba – brasilianische Grooves
Bossa Nova
Akkordbegleitung rechts und typischer Bossa-Nova-Bass links:

Begleitung mit der linken Hand alleine:

Einfachere Bassbegleitungen:


Einfacherer Bass:

Samba
Rechte Hand spielt Tamborim-Rhythmen und linke Hand imitiert die Surdo-Trommeln mit Betonung auf dem Off-Beat:


Samba-Begleitungen auf dem Standardbass:





Einfachere Bassbegleitungen:


Anmerkungen
- Es gibt zahlreiche Varianten der Begleit-Pattern. Das Pattern kann innerhalb eines Stücks variieren.
- Zum Einstudieren der Rhythmen empfehlen sich Klatsch- und Sprechübungen.
- Übe mit Metronom und beginne im langsamen Tempo.
- Wenn du zweihändige Patterns übst, verwende zuerst einen einfachen Bass ohne Synkopen.
- Für Samba oder Bossa Nova empfiehlt sich am Akkordeon ein einchöriges Register. Vorbild ist das brasilianische Akkordeon (diatonisch, Wien-Modell) mit sehr flacher Schwebung.
Mit dieser Audio kann der Montuno-Rhythmus im schnellen Tempo geübt werden. Es beginnt bei Tempo 138, steigert sich nach 16 Takten auf 152, dann auf 168 und schließlich auf 184.
